Universität zu Köln

Kölner Kommunikationsmaterialien mit Kern- und Randvokabular

Kölner Kommunikationstafeln und -ordner

Die Kölner Kommunikationsmaterialien sind das Ergebnis mehrerer Forschungsprojekte zum Sprachgebrauch von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen. Untersucht wurde, welche Wörter in der Alltagskommunikation besonders wichtig sind und deshalb auch auf Kommunikationshilfen nicht fehlen dürfen. Die Untersuchungen zeigen, dass relativ wenig Wörter sehr häufig gebraucht werden: So machen nur ca. 200 Wörter 80 Prozent des Gesprochenen aus. (Zum Vergleich: Ein sprechendes Kind, das in die Grundschule kommt, verfügt über einen Wortschatz von ca. 5.000 Wörtern.)

Die am häufigsten gebrauchten Wörter werden als Kernvokabular bezeichnet (z.B. das, und, ich, du, wollen, können, auch, nicht, was). Das Besondere ist, dass diese Wörter situationsunabhängig gebraucht werden - egal ob beim Essen, Anziehen, Spielen oder Fernsehen; Aussagen und Fragen wie z.B. Ich kann nicht, willst du mal?, Soll ich noch mal?, Jetzt, willst du auch? können immer gebraucht werden. In einer Situation ist auch klar, was genau gemeint ist.

Die ca. 200 am häufigsten gebrauchten Wörter einer Sprache werden als Kernvokabular (engl. 'core vocabulary') bezeichnet. Das Besondere am Kernvokabular ist, dass es situationsunabhängig und altersunabhängig verwendet wird.

Auf den Kommunikationsoberflächen wird das Kernvokabular in einem statischen Rahmen so angeboten, dass es immer zugänglich ist und gleichzeitig mit dem Randvokabular kombiniert werden kann.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Kommunikationshilfen mit dem Kölner Vokabular entwickelt: Kommunikationstafeln, Kommunikationsordner, Wandposter mit Klettkarten und die elektronische Kommunikationshilfe MyCore.

Fokuswörterkonzept

Ein Konzept zum systematischen Wortschatzaufbau

Gail van Tatenhove (2008) schlägt vor, im Rahmen der UK-Interventionen über mehrere Jahre einen Wortschatz zu erarbeiten, der vorrangig aus situationsunabhängig zu gebrauchenden Wörtern bzw. aus Kernvokabular besteht. In Anlehnung an diese Idee wird mit dem Konzept der Fokuswörter ein Vorschlag zum konkreten Vorgehen unterbreitet:

Das Konzept der Fokuswörter umfasst zunächst einen Zielwortschatz von 100 sog. Fokuswörtern. Diese bestehen vorrangig aus Kernvokabular (70). Individuell zu ergänzen ist ein Randvokabular (Vorschlag: 30 Inhaltswörter), das sich an den Interessen und den Lebensbedingungen der u.k. Person orientiert. 

Im Rahmen der UK-Interventionen rücken nach und nach jeweils 5-6 Wörter aus dem Zielwortschatz in den ‚Fokus‘, d.h. dass diese Fokuswörter über einen bestimmten Zeitraum verstärkt von den Bezugspersonen in der jeweiligen Zielkommunikationsform mitgenutzt werden. In diesem Zeitraum werden die Fokuswörter konsequent verwendet– unabhängig davon, ob ein Kind evtl. auch nach  vier Wochen noch keine Wörter imitiert oder selbst produziert. Die Evaluation findet immer erst nach dem festgelegten Zeitraum statt. Dann wird im Team entschieden, ob die gleichen Wörter über einen längeren Zeitraum weiterverwendet werden oder ob schon erste Imitationen und Produktionen beobachtet werden konnten, so dass die nächste Reihe in den Fokus rücken kann.

Ausgewählte Veröffentlichungen

Boenisch, J./Sachse, S.K. (2016): Alltagskommunikation ermöglichen und Sprachentwicklung fördern am Beispiel der elektronischen Kommunikationshilfe MyCore. In: von Loeper/ISAAC (Hrsg.): Handbuch der Unterstützten Kommunikation, Teil 4: Elektronische Kommunikationshilfen, Karlsruhe.

Boenisch, J./Soto, G. (2015): The oral core vocabulary of typically developing English-speaking school-aged children: Implications for AAC Practice In: Augmentative and Alternative Communication 31 (1) 77-84.

Boenisch, J. (2014): Die Bedeutung von Kernvokabular für unterstützt kommunizierende Kinder und Jugendliche. In: LOGOS 3/2014, 164-178.

Sachse, St. (2007): Zur Bedeutung von Kern- und Randvokabular in der Alltagskommunikation. In: Unterstützte Kommunikation 3/2007.

Sachse, S.K./Willke, M. (2019): Fokuswörter in der Interventionsplanung und -umsetzung. In: Boenisch, J./Sachse, S.K. (Hrsg.): Kompendium Unterstützte Kommunikation. Kohlhammer.
(Links finden Sie die Fokuswörtertabelle aus diesem Beitrag.)